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Pflege vor Gericht: Kuriose Fälle

Ein Pflegesachverständiger oder ein medizinischer Gutachter erstellt ein unabhängiges Gutachten. Unabhängigkeit ist Voraussetzung und bedeutet, dass man sich durch keine Fremdmeinung oder Sympathie, ebenso persönliche Abneigung, beeinflussen lassen darf. So manches Mal wird einem dies aber vorgeworfen. So auch in diesem kuriosen Fall:

Die arbeitende pflegebedürftige Dame

In diesem Fall handelt es sich um eine Türkin, die seit Jahren in Deutschland gut integriert mit ihrer Familie wohnt. Vor 15 Jahren war sie sehr krank, eine Atrophie der Knochen, von der man damals annahm, dass diese schnell weiter fortschreiten würde. Sie bekom im Jahr 2004 die Pflegestufe 1.

Wie Sie vielleicht wissen, wird in den wenigsten Fällen eine Prüfung der Pflegestufe durch den MDK durchgeführt. So blieb diese Dame lange lange Zeit mit der Pflegestufe 1 versorgt und, so nehme ich an, hatten das Geld fest in ihr Haushaltsbudget eingeplant.

Vor einigen Jahren nahm diese Dame einen leichten Reinigungsjob für 10 Stunden in der Woche an, arbeitete dort auch als "Springer".

Im letzten Jahr nun stellte diese Dame einen Antrag auf Höherstufung mit der Begründung, dass Ihre Erkrankung dazu führt, dass sie mehr Pflege als bisher benötige.

Die Maschinerie läuft an:

Antrag auf Höherstufung wird gestellt

der MDK meldet sich zur Untersuchung

das Ergebnis (weiterhin PS1) gefällt der Antragstellerin nicht, sie legt Widerspruch ein

der MDK prüft erneut

Ergebnis  wie oben

Widerspruch wird eingelegt

die Sache landet vor Gericht und der Richter ordnet ein Sachverständigengutachten an.

In diesem 50seitigen Gutachten mit der Aufstellung aller Unterlagen und Diagnosen stellte sich nun heraus, dass auch die Pflegestufe 1 nicht mehr angemessen ist. Trotz aller Gegenreden des Klägers konnte nun verdeutlicht werden, dass es ein Widerspruch an sich ist, in einer Reinigungsfirma Papierkörbe zu leeren, Toiletten zu putzen, sich Handschuhe an- und auszuziehen, Treppen zu steigen, sich zu bücken und so weiter;

wenn doch gleichzeitig behauptet wird, dass man die Türklinke nicht herunterdrücken, die Toilette nicht allein benutzen könne, das Anziehen schwer fällt und zudem nicht einmal eine Pizza in den Ofen geschoben werden könne.

Als Pflegesachverständige erfahre den Richterspruch nicht, ich kenne den Ausgang dieses Verfahrens nicht.

ABER ich bin mir ziemlich sicher, dass hier noch ein Betrugsverfahren angehängt wurde. Denn diese widersprüchliche Pflegesituation bestand seit 2004. Da ist viel Pflegegeld geflossen, aber eben in die falschen Taschen.

Ihre Anke-Petra Kasimir